Mittwoch, 17. September 2008

Kibera Slum

Heute war ich im Kibera Slum - mit fast so vielen Einwohnern wie Wien (!) der groesste Slum in Nairobi. RCE Greater Nairobi / KOEE haben hier ein Projekt mit Umande Trust (www.umande.org), einer NGO, die sich der Verbesserung der Lebensbedingungen der Slum-Bewohner widmet.






Umande Trust hat neben Bildungsprojekten auch Schwerpunkte im Bereich Wasserversorgung/Hygiene und eines davon ist diese Biogasanlage. Hier wird aus human waste Biogas erzeugt - die Bewohner profitieren nicht nur von der öffentlichen Toilette/Dusche, die noch dazu blitzsauber sind, sondern auch von der erzeugten Energie, die bevorzugt in Schulen verwendet wird. Die Benützung der Anlage kostet 2 KSh (ca. 2 cent) für eine Benützung bzw. 80 KSh im Monat für eine ganze Familie. Grundlage für den Erfolg dieses Konzepts ist, dass die gesamte Anlage von den Bewohnern selbst errichtet wurde - vom einzelnen Betonbaustein bis zur Dachkonstruktion wurde alles vor Ort gefertigt. Das Management wird von einer Frauengruppe übernommen. Dadurch kann Materialdiebstahl verhindert und ein sorgsamer Umgang sichergestellt werden - die Menschen sind stolz auf ihr Werk und es wirkt fast wie ein kleines Schloss in der tristen Gegend!


Cafeteria im Dachgeschoss mit Ausblick auf Kibera:Im 1. Stock befinden sich Büroräume - hier ist reines "Business" (die Toiletten und Sanitäranlagen sind Non-Profit) und im Dachgeschoss befindet sich eine Cafeteria. In einer anderen Anlage, die gerade im Entstehen ist, sind im 1. Stock Hotelzimmer vorgesehen, denn die meisten der Häuser in Kibera sind zu klein, um Gäste zu empfangen.

Natürlich musste ich mich auch im Gästebuch verewigen:

Freitag, 12. September 2008

Kakamega Rainforest

'Unser' regenwaldtaugliches Auto...
Brettwurzeln von Ficus sp.
Noch bis vor wenigen Jahren wurden die jungen Luyia-Maenner in diesem Regenwald 'initiiert' - d.h. der Uebergang zwischen Kindheit und Erwachsen-Sein zelebriert. Dazu mussten die Kinder (im Alter von 10-11 Jahren!) 1 Monat im Regenwald verbringen und zwar fast nackt (nur mit einem Tuch bekleidet) und ohne Kontakt zur Aussenwelt. Nur einmal am Tag bekamen sie etwas zu essen gebracht, ansonsten waren sie ganz auf sich gestellt. Zwischen den hohen Brettwurzeln von Ficus sp. wurde eine Art Zelt gebaut und vor wilden Tieren oder giftigen Schlangen (und von denen gibt es einige in Kakamega Rainforest!) schuetzte nur das Feuer.
Nach 1 Monat kehren die Jungs in das Dorf zurueck und es gibt ein grosses Fest. Nun sind sie erwachsen, muessen in ein eigenes Haus ziehen (mit 11 Jahren!) und fuer sich selbst sorgen, bis sie eine Familie gruenden. Das neue Haus ist jedoch meistens nahe am Elternhaus, somit sind sie nicht richtig alleine.

Unser Guide Patrick gehoerte uebrigens noch einer der letzten Generationen an, die noch im Regenwald initiiert wurden - was man vielleicht auch an seiner besonderen Leidenschaft fuer den Wald merkt!

Der Regenwald ist mittlerweile vom Kenya Wildlife Service (KWS) geschuetzt und diese Rituale nun verboten - die Luiya nutzen nun Flussgebiete oder andere Waelder in den Bergen dafuer.
Das weitaus groessere Problem stellt jedoch der hohe Brennholzbedarf in der Gegend dar, der diesen ohnedies schon auf eine minimale Groesse geschrumpften Regenwald massiv bedroht.
Mit einem Eintrittsgeld von nur 10 US-$ tragt man vielleicht als Tourist ein wenig zu seinem Schutz bei - wobei ich andererseits erfahren habe, dass es geplant ist, eine Stromleitung quer durch den Regenwald zu bauen und dafuer eine breite Schneise zu schlagen!

Blick auf den suedlichen Teil des Kakamega Rainforest und fast seine gesamte Ausdehnung...

Donnerstag, 11. September 2008

Mittwoch, 10. September 2008

Eco schools Teacher Training in Kisumu

Kisumu ist wunderbar und ganz anders als Nairobi! Das Klima ist heiss und trocken und ueberhaupt hat man das Gefuehl, dass das ganze Leben der Menschen hier am Lake Victoria um eine Ecke gemuetlicher ablaeuft als in manch anderer Gegend Kenyas (Nairobi)!

Gruppenfoto mit den TeilnehmerInnen des Teacher Trainings. Neben mir uebrigens meine liebe Kollegin Annette.

Montag, 8. September 2008

Bei Elijah's Familie in Aherro

Irgendwann sind wir tatsaechlich noch in Kisumu angekommen und Elijah hat mich eingeladen, in seinem Haus in Aherro zu uebernachten, um das “rural Africa” kennenzulernen. Seine beiden Kinder leben hier mit seiner Nichte in einem kleinen Haeuschen in der Naehe von Kisumu, das Haus hat 2 Schlafzimmer, eine Kueche und ein Wohnzimmer, kein fliessendes Wasser und Latrinen-WC. Im Vergleich zu den Nachbarhaeusern gibt es sogar Strom. Elijahs Nichte Marcelina hat fuer uns noch ein super leckeres Abendessen gekocht – uebrigens ist es offenbar nicht nur in Aethiopien ueblich mit der Hand zu essen – extra fuer mich wurde das Sonntagsbesteck aus dem Schrank geholt, das ausser mir niemand benutzte und wohl vorher auch noch nicht oft benutzt wurde – und wir haben unsere Praesentationen fuer morgen vorbereitet, wobei uns saemtliche Kinder aus der Nachbarschaft ueber unsere Schultern beobachtet haben – Power Point hat dem Fernseher klar den Rang auf der Beliebtheitsskala abgelaufen! Es war jedenfalls wirklich ein besonderes Erlebnis auch wenn mich das hohe Malariarisiko zugegeben etwas gestresst hat – das Dorf lag doch mitten in der Sumpfebene und die Luft voller Moskitos. Aber dank Malarone-Prophylaxe und meinem impraegnierten Moskitonetz habe ich doch einigermassen gut in dem so durchgelegenen Bett geschlafen, dass die Matratze bereits einen Halbkreis bildete, und abgesehen von den grausamen Spinnen bislang keine groeberen Zusammenstoesse mit irgendwelchen gefaehrlichen Wildtieren…! Zum Glueck hatte die Latrine 2 Kaemmerchen zur Auswahl, somit konnte ich auch der Schlange entgehen, die in einer dieser beiden Latrinenhaelften mit einer Spinne (!) kaempfte!

Das “Badezimmer” ist uebrigens ein Raum, der sich von den anderen Raeumen des Hauses nur dadurch unterscheidet, dass er ein Loch in der Wand hat, durch das das Wasser abrinnen kann und “geduscht” wird mit einer grossen Plastikschuessel, auf jeden Fall aber mit Warmwasser, das vorher am Gasherd warmgemacht wird. Jedenfalls eine interessante Erfahrung fuer uns wasserverwoehnte Oesterreicher, mit wie wenig Wasser man trotzdem sauber werden kann! Aufs Haarewaschen habe ich trotzdem verzichtet, vor allem weil Elijahs Nichte das Wasser alleine von der Wasserstelle ins Haus tragen muss.

Elijah mit seinen beiden Kindern:

Die Kueche:

Nairobi - Kisumu

Vergangene Woche fand das Eco-schools Teacher Training im Westen Kenyas (Nyanza, Western) statt. Montag Mittag machten wir uns in unserem Van auf die Reise zunaechst nach Kisumu und am Mittwoch weiter nach Kakamega.

Die Autofahrt nach Kisumu war landschaftlich ein beeidruckendes Erlebnis – von der Zentralen Hochebene (Nairobi) hinunter ins Rift Valley, wo wilde Tiere wie z. B. Zebra-Herden voellig friedlich neben der Strasse weiden oder Paviane faul am Strassenrand herumlungern. Auch Antilopen und Gazellen haben wir unterwegs gesehen, die Bueffel haben sich an diesem Tag leider versteckt gehalten. Dann kletterten wir auf der anderen Seite des Riftvalleys wieder in die Hochebene hinauf und kamen in das Gebiet der Kalenjin – einige der kenyanischen Superstars unter den Laeufern stammen aus dieser Volksgruppe und fuer einige der vielen Goldmedaillen Kenyas bei den olympischen Spielen in Peking verantwortlich.

Eine etwas radikalere Methode der Geschwindigkeitsbeschraenkung: Strassensperren samt Autokrallen mitten auf der Autobahn und schwer bewaffnete Polizisten...
Davon voellig ungestoert die Zebraherden direkt neben der Strasse im Rift Valley.


Nicht nur das Hoehentraining ;-), auch landschaftlich und wegen der guten Luft waere das fuer mich jedenfalls ein Platz zum Leben! Die klimatischen Besonderheiten dieser Gegend zeichnen auch den weltberuehmten kenyanischen Tee aus, der hier in Feldern von unglaublichen Dimensionen angebaut wird. Ich habe noch nie so viele Gruen-Toene gesehen wie hier! Die kenyanische Teeproduktion ist uebrigens mittlerweile bereits fast zur Gaenze von internationalen Konzernen (z. B. Unilever, die die gesamte Stadt Kericho zu besitzen scheinen) uebernommen worden, und die Feldarbeiter leben in monotonen Arbeiterdoerfern direkt zwischen den Feldern.


Zwischen Kericho und Kisumu wurde die Strasse ploetzlich schlechter bzw. war sie teilweise gar nicht mehr existent. Das Ganze zog sich doch ueber 130 km, die wir mit durchschnittlich 10 (?) km/h zuruecklegten. Ich war schon von meinen Kollegen vorgewarnt worden und somit bereits vorbereitet – noch dazu sind mein Magen und ich einiges gewohnt, aber dass es wirklich sooo schlimm wird, haette ich mir nicht erwartet! Teilweise war die “Strasse” mehr Schlagloecher als Strasse und das waren noch die besten Abschnitte! Ansonsten bevorzugten die Autos das Bankett, da es trotz tiefer Fahrrinnen und Schlamm und Felsbrocken im Vergleich zur asphaltierten Strasse immer noch wesentlich bequemer zu befahren war…! Zu sehen gab es jedenfalls genug, somit wurde mir nicht langweilig!

Uebrigens handelt es sich hier um jene Region, die von den Konflikten nach den Wahlen im heurigen Fruehjahr besonders betroffen waren. Viele zerstoerte, verbrannte und mittlerweile Gebaeude zeugen noch davon. Die Hauptursache fuer diese Zusammenstoesse liegt uebrigens Jahrzehnte zurueck – und zwar zum Beginn der Unabhaengigkeit Kenyas in den fruehen 1960er Jahren. Es war der maechtige Stamm der Kikuyu, die nach der Unabhaengigkeit den ersten Praesidenten (Jomo Kenyatta) stellten und von diesem bei der Neuverteilung des Landes nach Abzug der weissen Kolonialisten unverschaemt bevorzugt gegenueber den anderen Volksgruppen behandelt wurden. Besonders in dieser Region wurde ihnen die Ansiedelung und Bewirtschaftung der Tee-Plantagen ermoeglicht, und die traditionellen Volksgruppen, die ohnehin schon unter der Unterdrueckung durch die Kolonialmaechte gelitten haben, erneut massiv benachteiligt. Nach der Wahl heuer waren 41 von insgesamt 42 Volksgruppen auf Seite der Opposition (die ja die Wahlen auch gewonnen hat) und somit ‘gegen’ die Kikuyu, deren Parteifueher die Macht nicht abgeben wollte.

Sonntag, 7. September 2008

Ngong Hills


Da es wohl fuer laengere Zeit mein “letzter freier” Sonntag sein soll, beschloss ich, diesen fuer einen Ausflug in die Ngong Hills zu nutzen. Nach 3 Wochen fast ausschliesslich in Nairobi hatte mein Frischluft-Beduerfnis ein mittlerweile schon fast unertraegliches Niveau erreicht!
Die Ngong Hills sind eine Kette von 7 Huegeln ca. 30km suedlich von Nairobi, die sich - obwohl sie so nahe beinander liegen – jeder fuer sich durch eine ganz eigene naturraeumliche Charakteristik auszeichnen. Da die Huegel genau am Uebergang zwischen Rift Valley und Central Province liegen, hat man auf beide Seiten eine wunderbare Aussicht auf voellig unterschiedliche Landschaften und fern am Horizont kann man die Skyline von Nairobi erkennen. Die Ngong Hills wirken zudem als Wetterscheide – wobei die Ostseite deutlich mehr Niederschlag abfangen und dadurch wesentlich gruener sind. Man kann Stunden damit verbringen, dem Spiel der Wolken zuzusehen! Nach Westen blickt man in die unglaubliche Weite des Masai-Landes im Rift Valley. Erstaunlich, dass diese Ebene so duenn besiedelt ist! Die Regierung scheint die besonderen Reize dieses Gebiets erkannt zu haben und versucht mittlerweile die Besiedelung zu limitieren, um die Landschaft zu schuetzen. Auf der anderen Seite existiert angeblich nach wie vor das System, dass man sich ein Grundstueck einfach nimmt (das Land “gehoert” niemandem bzw. – um es nach Masai-Tradition zu betrachten – ist es Gemeingut) und ein Haus errichtet und nach einer gewissen Zeitspanne (ca. 40 Jahre) wird es dann in den Privatbesitz uebertragen.
Jedenfalls war der Ausflug in die Ngong Hills ein besonderes beeindruckendes Landschafts- und Naturerlebnis!

Freitag, 5. September 2008

Nairobi Nightlife

Ich muss zugeben, der Titel mag vielleicht ein wenig in die Irre fuehren, denn vom Nachtleben in Nairobi habe ich leider noch nicht viel mitbekommen. Das liegt vor allem daran, dass es erstens teuer ist und zweitens die Menschen hier so ehrgeizig sind, dass sie sogar am Wochenende ganz normal arbeiten bzw. frueh aufstehen, um in die Kirche zu gehen! Kirche ist uebrigens extrem wichtig – einfach JEDE/R Kenyaner, egal welchen Alters und welcher Religionszugehoerigkeit, geht mindestens 1 Mal pro Woche in die Kirche und ist richtig ungluecklich, wenn es sich aus irgendeinem Grund einmal nicht ausgehen sollte...

Das “normale” Weggehen sieht ueblicherweise so aus, dass man sich schon recht frueh am Abend in einem dieser Fast-Food-Lokale auf eine “Soda” (Cola, Fanta, Sprite,…) trifft (einen genauen Finanzplan fuer den Abend bekommt man per Rundmail vorab schon aufgelistet) – und zwar weil diese Lokale generell billig und Soda das einzig leistbare (neben Chips = Pommes) ist. Dann versucht man, den Abend so kurz wie moeglich zu halten um so frueh wie moeglich wieder nach Hause zu kommen. Je spaeter umso gefaehrlicher ist es in Nairobi – selbst die Einheimischen gehen bei Dunkelheit nur sehr ungern ausser Haus. Ein Taxi zu nehmen ist uebrigens ebenso gefaehrlich (auf jeden Fall fuer mich aber auch fuer die Einheimischen selbst), deswegen nimmt man lieber Umwege zu Fuss (durch “sichere” Gegenden – dh. wo an jeder Ecke Securityleute stehen) in Kauf, wobei man als Maedl sowieso niemals ohne maennlicher Begleitung unterwegs sein sollte.

Freitag abend war ich mit Maggie und zwei Freunden aethiopisch Essen. Das erste, das mir auffiel, waren die vielen Waschbecken in nahezu jeder Ecke des Lokals und der Grund war mir war auch bald klar: man isst naemlich ausschliesslich mit der rechten Hand. Grundsaetzlich gibt es Njeri, das ist eine riesige runde Teigscheibe von seltsamer schwammiger Konsistenz, die einen sehr eigenartigen, ungewohnten, aber trotzdem guten Geschmack hat. Basis fuer Njeri ist eine besondere Form von Reismehl. Jedenfalls hat dieses Ding ca. 1m Durchmesser (pro Portion) und ist mit verschiedenen (in meinem Fall Gemuese-) Haeufchen belegt . Man kann Stunden damit verbringen und es ist sehr unterhaltsam – vor allem fuer die Leute, die meine verzweifelten ersten Versuche ohne Besteck beobachtet haben! ;-) Nach einer Zeit und mit ein wenig Uebung hat man es aber bald heraussen und es macht richtig Spass!


Donnerstag, 4. September 2008

Masai Market


Meine beiden Lieblings-Verkaeuferinnen am Masai Markt in Nairobi! :-)