Vergangene Woche fand das Eco-schools Teacher Training im Westen Kenyas (Nyanza, Western) statt. Montag Mittag machten wir uns in unserem Van auf die Reise zunaechst nach Kisumu und am Mittwoch weiter nach Kakamega.
Die Autofahrt nach Kisumu war landschaftlich ein beeidruckendes Erlebnis – von der Zentralen Hochebene (Nairobi) hinunter ins Rift Valley, wo wilde Tiere wie z. B. Zebra-Herden voellig friedlich neben der Strasse weiden oder Paviane faul am Strassenrand herumlungern. Auch Antilopen und Gazellen haben wir unterwegs gesehen, die Bueffel haben sich an diesem Tag leider versteckt gehalten. Dann kletterten wir auf der anderen Seite des Riftvalleys wieder in die Hochebene hinauf und kamen in das Gebiet der Kalenjin – einige der kenyanischen Superstars unter den Laeufern stammen aus dieser Volksgruppe und fuer einige der vielen Goldmedaillen Kenyas bei den olympischen Spielen in Peking verantwortlich.

Eine etwas radikalere Methode der Geschwindigkeitsbeschraenkung: Strassensperren samt Autokrallen mitten auf der Autobahn und schwer bewaffnete Polizisten...
Davon voellig ungestoert die Zebraherden direkt neben der Strasse im Rift Valley.

Nicht nur das Hoehentraining ;-), auch landschaftlich und wegen der guten Luft waere das fuer mich jedenfalls ein Platz zum Leben! Die klimatischen Besonderheiten dieser Gegend zeichnen auch den weltberuehmten kenyanischen Tee aus, der hier in Feldern von unglaublichen Dimensionen angebaut wird. Ich habe noch nie so viele Gruen-Toene gesehen wie hier! Die kenyanische Teeproduktion ist uebrigens mittlerweile bereits fast zur Gaenze von internationalen Konzernen (z. B. Unilever, die die gesamte Stadt Kericho zu besitzen scheinen) uebernommen worden, und die Feldarbeiter leben in monotonen Arbeiterdoerfern direkt zwischen den Feldern.

Zwischen Kericho und Kisumu wurde die Strasse ploetzlich schlechter bzw. war sie teilweise gar nicht mehr existent. Das Ganze zog sich doch ueber 130 km, die wir mit durchschnittlich 10 (?) km/h zuruecklegten. Ich war schon von meinen Kollegen vorgewarnt worden und somit bereits vorbereitet – noch dazu sind mein Magen und ich einiges gewohnt, aber dass es wirklich sooo schlimm wird, haette ich mir nicht erwartet! Teilweise war die “Strasse” mehr Schlagloecher als Strasse und das waren noch die besten Abschnitte! Ansonsten bevorzugten die Autos das Bankett, da es trotz tiefer Fahrrinnen und Schlamm und Felsbrocken im Vergleich zur asphaltierten Strasse immer noch wesentlich bequemer zu befahren war…! Zu sehen gab es jedenfalls genug, somit wurde mir nicht langweilig!
Uebrigens handelt es sich hier um jene Region, die von den Konflikten nach den Wahlen im heurigen Fruehjahr besonders betroffen waren. Viele zerstoerte, verbrannte und mittlerweile Gebaeude zeugen noch davon. Die Hauptursache fuer diese Zusammenstoesse liegt uebrigens Jahrzehnte zurueck – und zwar zum Beginn der Unabhaengigkeit Kenyas in den fruehen 1960er Jahren. Es war der maechtige Stamm der Kikuyu, die nach der Unabhaengigkeit den ersten Praesidenten (Jomo Kenyatta) stellten und von diesem bei der Neuverteilung des Landes nach Abzug der weissen Kolonialisten unverschaemt bevorzugt gegenueber den anderen Volksgruppen behandelt wurden. Besonders in dieser Region wurde ihnen die Ansiedelung und Bewirtschaftung der Tee-Plantagen ermoeglicht, und die traditionellen Volksgruppen, die ohnehin schon unter der Unterdrueckung durch die Kolonialmaechte gelitten haben, erneut massiv benachteiligt. Nach der Wahl heuer waren 41 von insgesamt 42 Volksgruppen auf Seite der Opposition (die ja die Wahlen auch gewonnen hat) und somit ‘gegen’ die Kikuyu, deren Parteifueher die Macht nicht abgeben wollte.